Es ist ein Fakt, dass die Industrie rund um Mörder und ihre Geschichten im Laufe der letzten Jahre geboomt ist. Sei es durch Podcasts oder Dokumentation vom Streaming-Anbietern, die oft auch gerne ins cineastische Fiktive abdriften, das wohl prominenteste Beispiel sei hier die im September diesen Jahres veröffentlichte Serie “Dahmer- Monster: Die Geschichte von Jeffrey Dahmer“, die weltweit durch ihre sehr grafische Darstellung der Morde des Serienkillers für Furore sorgte. Menschen lieben Gewalt und es ist ein lukratives Geschäft, ihre morbide Faszination als Geschäftsmodell auszunutzen – oft ohne die Einwilligung der Angehörigen der Opfer.

Ein Screenshot eines besonders geschmacklosen Accounts-, diese Person sieht es als ihre Aufgabe an, Menschen mitzuteilen, wie sehr sie Jeffrey Dahmer liebt.

Doch in den dunklen Nischen des Internets gibt es mehr als nur Interesse an Kriminalistik und die Psychologie der Mörder. Auf Plattformen wie Twitter und Tumblr lassen sich ganze Communitys finden, die sich den Fans der Mörder widmen – seien es krasse Verharmlosungen der Morde und als “schwarzer Humor“ getarnte geschmacklose Witze über die Opfer bis hin zu Edits der Killer, die vor allem hybristophile User ansprechen.

Die Idolisierung von Mördern und ihren Taten ist nichts Neues: Schon zu Lebzeiten von Killern wie Ted Bundy und Jeffrey Dahmer kam es oft dazu, dass hauptsächlich Frauen Briefe mit Heiratsanträgen und Nacktbildern an die inhaftierten Mörder sendeten. Die Faszination mit dem Bösen war also immer schon da – kann man deswegen eine Serie die Schuld an hybristophilen Teenagern geben?

https://twitter.com/youbitemytongu3/status/1417457492179755017?s=20&t=wmA4rUqP8WQLWj3Wf1J6Pw
Tumblr reloaded- Dieser User macht es sich zur Aufgabe, Edits der Columbine- Amokläufer zu posten.

Eine der Hauptgründe, weswegen viele Leute die Serie kritisieren, ist die Besetzung mit Evan Peters als Dahmer, ein konventionell attraktiver Schauspieler, der bereits früher in seiner Karriere Charaktere mit mörderischen Tendenzen gespielt hat, wie zum Beispiel den Amokläufer Tate Langdon in der ersten Staffel von American Horror Story vom gleichen Regisseur, der auch bei Dahmer Regie geführt hat. Vielleicht fällt es vielen Leuten dadurch leichter, den amerikanischen Serienkiller zu romantisieren. Derartiges war auch schon bei der Veröffentlichung von dem Killer Biopic über Ted Bundy passiert.

Fast wie vor 40 Jahren: Auch heute gibt es noch junge Frauen, die sich zum kannibalistischem Mörder hingezogen fühlen

Jedoch sollte es nicht zu entschuldigen sein, dass Amokläufer und Serienmörder auf Seiten wie Tumblr vollkommen unironisch mit editierten Rosenkronen hochgeladen werden oder dass Youtuber Geld verdienen, indem sie die grausamen Ermordungen der Opfer offenlegen, während sie sich aufwändig schminken und 10 Sekunden später mit geschmacklosen Witzen den Sponsor des Videos vorstellen. Diese Desensibilisierung ist vor allem grausam für die Angehörigen der Opfer, die nur zusehen können, wie Netflix und Co. Profit aus den Ermordungen ihrer Liebsten ziehen.

Von Antonia Boda

„how ever far away I will always love you“

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