Horrorfilme und Gehirn

Horrorfilme und Gehirn

Keine Sorge, in diesem Artikel geht es nicht um die Top 10 Zombiefilme, sondern warum wir uns überhaupt Horrorfilme ansehen. Spielt das Gehirn vielleicht da eine Rolle?

Komödien bringen uns zum Lachen, Actionfilme zum Mitfiebern und Horrorfilme zum Fürchten. Aber ist Furcht denn ein schönes Gefühl? Als ich damals Angst vor den Monstern im Schrank hatte, habe ich mich jetzt nicht so gut dabei gefühlt oder hatte geschweige denn Spaß an der Sache. Angst ist jetzt nicht mein Lieblingsgefühl. Gut, es kann Menschen geben, die Furcht gerne mögen, diese gehören aber sicher zu den 8,3% der Menschen, deren Lieblingsgeschmacksrichtung bitter ist. Aber trotzdem gucken wir uns Horrorfilme gerne an und haben sogar Spaß dabei.

Warum ist das so?

Laut Dr. Thorsten Fehr sind während des Schauen eines Horrorfilmes der primäre visuelle Cortex und der superiore Temporallappen, der für die Verarbeitung von Gehörtem zuständig ist, aktiv. Um das Gesprochene im Film zu verarbeiten, ist das Wernicke-​Areal zuständig. Spürt der Filmschauende außerdem den Impuls, selbst verbal auf den Horrorfilm zu reagieren, zum Beispiel durch Kreischen oder Schreien, ist außerdem der Bereich links unten im vorderen Teil des Gehirns aktiv. Diese beschriebenen Gehirnaktivitäten treten bei fast allen Menschen auf, wenn sie einen Horrorfilm sehen.

Aber nicht jeder reagiert gleich auf Horrorfilme, da die Entwicklung des Gehirns und die Erfahrungen des Menschen eine Rolle spielt. Menschen, die einen Horrorfilm als im weitesten Sinne realistisch einordnen, nehmen das Gesehene so wahr, als habe es Effekte auf ihren eigenen Leib und ihr Leben. Diese Art der Wahrnehmung ist oft bei Kindern und Jugendlichen, aber auch bei Erwachsenen zu beobachten. Da der Zuschauer sich bedroht fühlt, werden ausführenden Bereiche des Gehirns aktiv. Der Mensch versetzt sich in Handlungsbereitschaft, um flüchten zu können. Dafür ist auch die Orientierung im Raum wichtig: Wo ist die nächste Tür, wie kann ich schnell flüchten? Gibt es ein Ort wo man sich verstecken kann? Darum verstecken sich viele auch beim Gucken eines Horrorfilmes unter der Decke. Für diese Informationen ist der intraparietale Sulcus zuständig. (Was ist der intraparietale Sulcus? Das ist die Seitenfläche der linken Gehirnhälfte, von der Seite gesehen. Seine Hauptfunktionen sind zum Beispiel die Koordination der Augenbewegungen, damit das Gehirn weiß, was, wenn es der Fall ist, es Greifen muss.) Eine wichtige Rolle spielt auch das periaquäduktale Grau, eine Struktur im Hirnstamm. Es ist für Angriffs– und Fluchtreflexe zuständig und wird nur dann aktiv, wenn eine Bedrohung empfunden wird. Da das Geschehen aber nur auf dem Bildschirm spielt, läuft der Zuschauer (normalerweise) nicht weg. Deshalb werden die Fluchtimpulse wieder abgewendet, was in der rechtsinferioren frontalen Region des Gehirns geschieht.

Außerdem kann der Zuschauer die Schmerzen der Figuren nachvollziehen , da das Schmerzsystem im somatosensorischen Cortex einschalten wird. Ist emotionale Erregung gegeben, werden außerdem die Subcortiale und manchmal die Insula aktiv. Sie verarbeiten Schmerzempfinden und alles, was als unangenehm empfunden oder abgelehnt wird. Wenn das Gesehene im Gedächtnis gespeichert wird, ist auch die Amygdala beteiligt. Gerade bei Kindern und Jugendlichen können Horrorfilme tiefe Gedächtnisnarben verursachen, also Ängste oder psychische Störungen begünstigen. Darum sollten auf die Altersfreigabe unbedingt geachtet werden.

Menschen, die häufig Horrorfilme schauen, reagieren auf diese Filme völlig anders als soeben beschrieben. Diese Menschen ordnen das Gesehene als virtuell ein. Bei ihnen sind Areale, die mit Erregung zu tun haben, weniger aktiv. Das periaquäduktale Grau wird ebenfalls nicht aktiviert.

Fazit:

Wir sehen, dass das Gehirn beim Horrorfilmgucken sehr aktiv ist und das ist es, was sie so spannend, gruselig und besonders macht. Aber nicht jeder mag Horrorfilme, was natürlich nicht schlimm ist.

Alexander Roudeniklis

Quellen: https://en.wikipedia.org/wiki/Intraparietal_sulcus, https://www.dasgehirn.info/aktuell/frage-an-das-gehirn/was-passiert-im-gehirn-wenn-wir-einen-horrorfilm-anschauen

Eine Antwort auf „Horrorfilme und Gehirn“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.