Kapitel 1: Der gegebene Hass
Jeder kennt das Gefühl: Du bist neu auf dem STG in einem Jahrgang voller Fünftklässler, die unbedingt dazu gehören wollen. Doch das ist leichter gesagt als getan, die Lehrerinnen und Lehrer kennen einen noch kaum und die anderen Schülerinnen und Schüler sind eher genervt von der neuen Generation. Man braucht also Gemeinsamkeiten. Es wird etwas gesucht, dass alle Menschen auf der Schule zu verbinden scheint. Das Derby und die damit einhergehende Antipathie der Dahlmannschule gegenüber sind da ein gefundenes Fressen.
Dieses Phänomen ist keinesfalls auf unsere Schule beschränkt. Es ist die einfachste Weise zu jedweder Art von Gruppierung, Zugehörigkeit vorzutäuschen, sich gegen andere Gruppen zu positionieren.
Kapitel 2: Der geteilte Weg
Ab diesem Punkt kann es in zwei Richtungen gehen. Möglichkeit Nr.1 ist, dass man Zugehörigkeit in der vorhandenen Gemeinschaft (hier: das STG) findet. Man entdeckt neue Gemeinsamkeiten und vergisst mehr und mehr den Hass gegen die „Anderen“ – beispielsweise Abneigung gegen die DMS, die man als Grundschulkind einst bei der Entscheidung „Pro STG“ empfand.
Die zweite Möglichkeit ist der unangenehme Weg. Man findet keinen Anschluss. Man sucht Schuldige und denkt häufig nicht an Selbstreflexion. Schuld sind die Anderen. Man baut ein neues Feindbild auf, welches einem dieses Mal wesentlich ernster ist.
Auch wenn dies im Schulkontext noch eher harmlos sein mag, kann es in anderen Szenarien zu Radikalisierung führen.
Kapitel 3: Die übergreifende Gemeinschaft
Seit Jahren gibt es nun jedes Jahr das Derby zwischen STG und DMS. Eine Veranstaltung, die durch die Schulen gestartet wurde, wegen wiederholten Fehlverhaltens der Schüler und Schülerinnen wieder abgesägt wurde und von der Schülerschaft seit dem am Leben gehalten wird. Wohlgemerkt von der beider Schulen. Die Beziehung zwischen STG und DMS ist keine erbitterte Feindschaft. Es ist eine freundschaftliche Rivalität, die nur durch die Zusammenarbeit zweier Gemeinschaften funktionieren kann. Wir beginnen getrennt als Schülerschaft des STGs und der DMS, um als Schülerschaft Bad Segebergs zu enden.
Das ist der Grund, dass wir die Dahlmannschule hassen müssen, aber lieben sollten.

