Angriff der „Prequels“

„Prequel, das“ ist die Bezeichnung für eine Fortsetzung, welche vor dem fortgesetzten Werk spielt. Das Wort setzt sich aus den englischen Begriffen „Sequel“ (Fortsetzung) und „Pre“ (zuvor) zusammen.

1999 war es soweit. „Star Wars Episode 1 The Phantom Menace“ zeigte die Jedi zu ihrem Zenit, einen jungen Obi Wan Kenobi und einen noch jüngeren Anakin Skywalker. Doch viele waren enttäuscht: Es ging mehr um politische Verstrickungen, die Dialoge wirkten zu steif und Jar Jar Binks ist ein Charakter, welcher essenziell für die Geschichte ist, jedoch nur über infantilen Humor funktioniert.

Trotz der Beschwerden wurde die Reihe wie geplant mit „Star Wars Episode 2 Attack of the Clones“ fortgeführt. Anakin ist ein junger Erwachsener, Jar Jar Binks wurde deutlich portionierter gezeigt und die Filmwelt wurde wieder einmal revolutioniert. Tatsächlich ist „Episode 2“ der erste Film, welcher ausschließlich digital gedreht wurde. Das bedeutet keine Filmrolle, keine Begrenzungen durch zu große Kameras und ein Look, welcher so künstlich ist, dass es (meiner Meinung nach) schwer auszuhalten ist. Auch „Episode 1“ hatte durchaus bereits Computereffekte, die nach heutigen Maßstäben lächerlich aussehen, aber der Fokus lag noch immer auf Sets und Kostümen. All das wurde für Teil 2 über Bord geworfen. Fast kein Alien, keine Location und kein Raumschiff wurde hergestellt, sie wurden ersetzt durch CGI (Computer Generated Images). Auch damals giel das dem Publikum auf. In Kombination mit den „romantischen“ Szenen des Films (welche an Kitsch und Cringe nicht zu übertreffen sind) sorgte der Film zwar für gemischte Kritiken, war jedoch ein Hit an den Kassen.

Nach einer 2D Zeichentrick Serie, welche die Klonkriege zeigte (Nein noch nicht DAS „Clone Wars“), war es 2005 soweit. Eine weitere Star Wars Trilogie sollte ihr Ende finden, dieses Mal in „Episode 3 The Revenge of the Sith“. Zum ersten Mal seit Jahren waren sich alle einig: Der Film war großartig. Die Erzählung war episch, der Wandel von Anakin zu „Darth Vader“ glaubhaft und Jar Jar Binks sprach nicht ein einziges Wort. Der Film einte die Fans und, auch wenn es in der Retrospektive einige Kritikpunkte gibt, gilt der Film, aufgrund des düsteren Tons und der konsequenten Erzählweise, bis heute als einer der beliebtesten Einträge in der Saga.

Die Prequels waren, sind und werden immer kontrovers sein, doch mittlerweile sind mehrere Generationen mit diesen Filmen aufgewachsen und über die Schwächen wird gerne hinweggesehen. Regisseur Rian Johnson (der hier nicht zum letzten Mal erwähnt sein soll) sagte einmal, dass diese Filme Kindern erklären, was Faschismus ist. Doch nicht nur das führte zu dem Kultstatus, dem diese Trilogie heute innewohnt.

Eine Neue Dimension

Wenn man heutzutage Menschen fragt, was ihre erste Verbindung mit Star Wars war, so werden die wenigsten die Filme, sondern stattdessen „Star Wars The Clone Wars“ nennen.

Denn nach dem Erfolg der Prequels wollte man vor allem die jüngeren Fans abholen und gab eine Animationsserie in Auftrag. „Star Wars The Clone Wars“ schlug ein wie eine seismische Bombe. Die anfängliche Kinderserie wurde über sechs Staffeln immer ernster, düsterer und komplexer. Figuren wie Ahsoka Tano und Captain Rex wurden von den Fans geliebt.

Doch trotz des überragenden Feedbacks wurde die Serie während der Produktion der siebten und letzten Staffel überrachend beendet.

Der Grund dafür? Lucasfilm steht zum Verkauf!

No more „Solo“

Für viele Star Wars Fans ist der 30.10.2012 ein mehr als schicksalhafter Tag. Für rund 4,05 Milliarden USD verkaufte George Lucas seine Firma an die Walt Disney Cooperation, unter der Schirmherrschaft von Bob Iger. Lucas’ langjährige Assistentin Kathleen Kennedy wurde zur neuen Chefin von Lucasfilm ernannt, nachdem diese in den 80ern bereits gemeinsam mit Steven Spielberg die Produktionsfirma Amblin Entertainment gründete.

Gemeinsam mit Iger machte sie einige große Ankündigungen. Eine neue animierte Serie im Stil von Clone Wars namens „Star Wars Rebels“ wurde enthüllt (die Hoffnung auf ein Finale für Clone Wars blieb jedoch demnächst aus). Doch weitaus größere Begeisterung schürte die Ankündigung einer neuen Kinofilmtrilogie.

Von 2015 bis 2019 sollten drei neue Filme unter der Regie von J.J. Abrams (Star Trek 2009), Rian Johnson (Knives Out) und Colin Treverrow (Jurassic World), das Franchise nach zehn Jahren zurück auf die große Leinwand bringen.

Zudem sollte auch abseits dieser drei Filme jedes Jahr ein Star Wars Film im Kino laufen.

Rogue One – Der erste Rauswurf

Der Drehbuchautor Micheal Arndt wurde engagiert, um den Startschuss für die neue Ära zu setzen. Er setzte seine gesamte Energie in eine Geschichte, die zwar im Einklang mit Kanon war, aber trotzdem neu und frisch das Universum bereicherte. Doch zu seinem Nachteil war der Star Wars Kanon zu diesem Zeitpunkt bereits so groß, vielseitig und unübersichtlich, dass es für Arndt eine echt Mammutaufgabe wurde.

Lucasfilm wurde ungeduldig, und so kam es, dass sie Micheal Arndt von dem Projekt feuerten. Regisseur J.J. Abrams sprang ein, und verwarf den gesamten alten Kanon, um seine Geschichte komplett neu und unbeeinflusst erzählen zu können. Mehr oder weniger, denn als „The Force Awakens“ 2015 weltweit zu einem der erfolgreichsten Filme aller Zeiten wurde, war das Urteil der Fans zwar überwiegend positiv, jedoch kreideten gerade Fans der Original Trilogie an, der Film sei zu ähnlich, fast eine Neuerzählung, von „A New Hope“.

Dieser erzählte noch im Jahre 1977, dass einige Rebellen unter Einsatz ihres Lebens die Pläne für den Todesstern erlangten. Eine Geschichte, die 39 Jahre später, ein Jahr nach dem durchschlagenden Erfolg von „Episode 7“, ebenfalls die große Leinwand betrat. Die Fans waren sich und sind sich bis heute einig, dieser Film (und die daraus entsprungene in zwei Staffeln erzählte Serie „Andor“) ist das beste, was unter Disney für Star Wars produziert wurde.

Die Rückkehr des Zwiespalts

Rian Johnsons „The Last Jedi“ brachte Krieg zurück zu „Star Wars“. Genau genommen zu den Fans. Der Film spaltete sie, wie es kaum ein Franchise je erlebt hat. Viele hassten den Film, hassten das, was er mit den Figuren ihrer Kindheit tat, andere wiederum liebten den Film für seine Innovation und den frischen Wind, den er dem Franchise einbrachte.

Dass ein Jahr später „Solo“ herauskam, der allgemein als OK oder vergessenswert eingestuft wird, half dem Franchise auch nicht sonderlich. Lucasfilm musste handeln. Jedes Jahr einen Film in die Kinos zu bringen, wurde verworfen und Colin Treverrow wurde von „Episode 9“ gefeuert, nachdem sein letzter Film „The Book of Henry“ an den Kinokassen baden ging. Stattdessen wurde J.J. Abrams zurückgeholt und brachte nach einem Jahr Pause „The Rise of Skywalker“ heraus.

Der Film war zwar ein finanzieller Erfolg, jedoch war kaum eine Kritik diesem Film gegenüber positiv gestimmt. Der Film ist wahrscheinlich der Hauptgrund, dass seit 6 Jahren kein Star Wars mehr im Kino war.

Der Aufstieg bei Disney Plus

„Star Wars“ war für viele tot. Bis noch im gleichen Jahr „The Mandalorian“ auf dem neuen Streaminganbieter Disney Plus startete. Die Serie konnte mit ihrem Western-Charm viele überzeugen und schaffte mit Baby Yoda das bekannteste Maskottchen dieses Jahrhunderts. Viele weitere Serien folgten, die in der Qualität sehr stark schwankten, doch Mandalorian war groß genug, um nicht nur alle diese Serien zu überdauern, sondern auch um dieses Jahr unter dem Titel „The Mandalorian and Grogu“ die Kinos wieder mit Star Wars zu füllen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert