In diesen Beitrag geht es um eine eher höher gestellte Lehrkraft. Wer könnte es sein? Vielleicht Herr Kirschstein…noch nicht. In den heutigen Beitrag geht es um Herrn Schwerin. The one and only. Ich hoffe, ihr findet das Interview genau so interessant wie ich, und genießt es sehr 🙂

Ich: „Wie sind Sie zu dem Posten gekommen?“

Herr Schwerin: „Ich hatte immer einen Blick hier auf diese Schule, weil ich ja selber Schüler an dieser Schule war und auch mein Referendariat gemachte habe und in Segeberg wohne und dadurch, dass ich dann an der Burgfeld-Schule gearbeitet habe, habe ich immer mitbekommen, was am Städtischen los ist und was das für eine Schule ist. Und an der Burgfeld-Schule hatte ich die Funktion als stellvertretender Schulleiter angenommen und kennengelernt, was das heißt, eine Schule zu leiten, und als dann klar war, dass Herr Bähr in den wohlverdienten Ruhestand geht, habe ich halt überlegt, ob ich mir das vorstellen kann und habe mich dann entsprechend beworben und glücklicherweise den Zuschlag bekommen.“

Ich: „Was ist die nervigste Pflicht als Schulleiter?“

Herr Schwerin: „Die Verwaltungsaufgaben. Man muss sehr viel Buchhaltung machen. Es geht um das Personal, um Unterrichtsstunden…das kostet einfach viel Zeit und hat sehr wenig mit der pädagogischen Zeit zu tun, die man normalerweise gerne macht.“

Ich: „Wollten Sie schon immer Schulleiter werden?“

Herr Schwerin: „Nein, ich wollte eigentlich nicht Schulleiter werden. Über einen Zufall bin ich tatsächlich dann stellvertretender Schulleiter an der Burgfeld Schule geworden, aber das war eigentlich auch nicht mein Ziel. Ich wollte schon eigentlich Verantwortung in Schule übernehmen, aber vielleicht nicht als Schulleitungsmitglied, aber das hat sich dort so ergeben, und darüber habe ich dann gemerkt, dass ich das doch interessant finde. Ich wäre zu dem Zeitpunkt an keiner anderen Schule Schulleiter werden wollen als an unserer Schule. Zum Beispiel war zwei Jahre vorher der Schulleiterposten an der Dahlmannschule frei und da habe ich mich aus guten Gründen nicht beworben.“

Ich: „Was war Ihr Traumberuf, bevor Sie Schulleiter geworden sind?“

Herr Schwerin: Ich hatte irgendwann mal die Idee, Fluglotse zu werden, aber das hat sich relativ schnell verworfen. Im Grunde genommen hat sich relativ schnell für mich ergeben, dass ich Schulleiter werde, und diesen Weg bin ich dann gegangen – und habe es auch nicht bereut.“

Ich: „Wie definieren Sie ‚gute Schule'“

Herr Schwerin: „Eine ‚gute Schule‘ hat ganz viele unterschiedliche Ziele und muss ganz vielen unterschiedlichen Personen gerecht werden. In Schule haben wir einmal die Lehrkräfte, die Schülerinnen und Schüler, wir haben die Elternschaft, die eventuell verschiedene Vorstellungen haben, wie Schule funktionieren sollte. Letztendlich ist es aber so, dass wir rechtliche Vorgaben haben, die es zu erfüllen gibt, und wir auch das langfristige Ziel haben, jeden Schüler/ jede Schülerin mit dem bestmöglichen Abschluss aus der Schule zu schicken. Das heißt, wir müssen irgendwie die Grundlagen schaffen, fachlicher Natur, um ein gutes Abitur zu ermöglichen. Es ist aber so, dass Schule mittlerweile vielmehr ist, als das, was nur in den Fächern passiert und was Fachwissen anbelangt. Wir haben hier mit Menschen zu tun, wir haben mit besonderen Bedürfnissen zu tun. Die soziale Situation ist eine ganz andere, als sie zu meiner Zeit als Schüler gewesen ist und da müssen wir als Schule dem irgendwo gerecht werden. Das heißt, mittlerweile entlassen wir Schülerinnen und Schüler nicht nur mit einem gesunden Fachwissen, sondern auch mit einer hoffentlich guten Lebensfähigkeit. Das ist etwas, was ganz wichtig ist und was, glaube ich, noch nicht bei allen Lehrkräften so gut angekommen ist, bei vielen Eltern vielleicht auch noch nicht so ganz, aber mindestens bei den Schülerinnen und Schülern, was man so aus Rückmeldungen bekommt, dass so ein gefühlter Leistungsdruck da ist, dass soziale Spannungen vielmehr in den Vordergrund rücken, sodass viel dann auch nicht richtig in der Lage sind, sich ausschließlich auf das Fachliche zu beziehen. Von daher ist eine „Gute Schule“ eine Schule, die es schafft, die Menschen, die mit Schule zu tun haben, auf der einen Seite mitzunehmen, auf der anderen Seite fachliches Wissen weiterhin zu vermitteln, aber auch außerfachlichen Kompetenzen Rechnung trägt. „

Ich: „Welche Werte sind Ihnen als Schulleiter besonders wichtig?“

Herr Schwerin: „Respekt, Ehrlichkeit und Toleranz sind, so glaube ich, die drei Werte, die ich am wichtigsten finde. Respekt ist immer, was in mehrere Richtungen geht. Das heißt, wenn ich mein Gegenüber respektvoll behandle und respektvoll behandelt werde, dann ist das das, was ich unter Respekt verstehe, und nicht, dass der Respekt nur den Lehrkräften gegenüber eingebracht wird, sondern ich muss als Lehrkraft auch die Schülerinnen und Schüler respektieren. Und darüber kann man auch eine sehr gute Beziehungsebene schaffen. Dazu gehört dann Ehrlichkeit, auch in beide Richtungen. Wenn ich meinem Gegenüber ehrlich bin, kann ich auch erwarten, dass ich auch eine ehrliche Antwort zurückbekomme, auch wenn es nicht das ist, was ich immer hören möchte, aber das gehört schon dazu. Und Toleranz ist ebenfalls ganz wichtig. Wir sind hier ganz unterschiedliche Menschen, die in so einem Schulsystem zusammenkommen, und es müssen nicht alle die gleichen Ansichten haben und das muss ich tolerieren. Und ich muss nicht immer alle von meiner Meinung überzeugen, es gibt auch andere Meinungen, die kann ich gut finden oder nicht so gut finden, aber ich muss akzeptieren, dass es diese Meinungen gibt. Die einzige Grenze, die ich ziehen würde, wo mein Toleranzbereich auch aufhört, ist, wenn es in den Bereich der Diskriminierung geht. Egal in welche Richtung. Ob es Rassismus ist oder Sexismus oder sonst irgendwie. Das ist aus meiner Sicht nicht in Ordnung, weil das auch intolerantes Verhalten zeigt.“

Ich: „Wie gehen Sie mit Leistungsdruck und Notenstress bei Ihren Schülern um?“

Herr Schwerin: „Also ich versuche größtmöglich diesen Druck rauszunehmen, weil meiner Ansicht nach so eine Note wenig bis gar nichts über den Menschen als solches aussagt. Natürlich braucht man irgendwo eine Grundlage in Hinblick auf einen Schulabschluss, der eine mögliche Vergleichbarkeit darstellt. Das ist dann in Deutschland dieses Notensystem, was wir haben. Das kann man gut finden, muss man nicht gut finden. Es gibt ja auch mittlerweile Überlegungen dahingehend, ob es nicht sinnvoll wäre, Noten generell abzuschaffen. Ich merke aber auch, dass gerade die jüngeren Schüler/innen sich vergleichen wollen. Da geht der erster Blick, vielleicht auch bis zum Abitur, nach links und rechts. Die Frage, die sich letztendlich für Schülerinnen und Schüler dahinter verbirgt, ist, was möchte ich später im Leben erreichen und was brauche ich dafür. Wenn ich ein Psychologie-Studium oder ein medizinisches Studium in Angriff nehmen möchte, und das mein absolutes Ziel ist, dann ist es heutzutage immer noch so, dass ich dafür einen gewissen Notendurchschnitt brauche, und dadurch entsteht natürlich ein gewisser Druck. Manche können damit umgehen, dann ist das in Ordnung, aber wenn ich merke, dass dieser Druck zu groß wird, dann muss ich mir eventuell was anderes überlegen. Und da muss ich als Lehrkraft unterstützen. Das kann ich auf unterschiedliche Art und Weise machen. Das ist ja auch ganz unterschiedlich, wo dieser Leistungsdruck herkommt. Wichtig wäre mir, dass ich als Lehrkraft diesen Druck nicht aufbaue und den Kindern und Jugendlichen und jungen Erwachsenen vermittle, dass eine möglicherweise etwas schlechtere Note nicht bedeutet, dass ich ein schlechterer Mensch bin. Ich glaube, das hilft auf der einen Seite. Schwierig wird es wirklich, bei den Kindern, wo der Druck nicht von außen, sondern von innen kommt. Die sich selber so massiv unter Druck setzen, weil sie unbedingt was erreichen wollen, und da muss man dann individuell schauen, welche Möglichkeiten man hat, um diesen Druck ein bisschen raus zunehmen, weil das natürlich auch Hemmungen hervorruft, die dann letztendlich kontraproduktiv sind.“

Ich: „Was würden Sie an der Schule ändern?“

Herr Schwerin: „Ich würde den Schulleiter rausschmeißen. Nein, was würde ich an der Schule ändern? Ich würde gerne die räumlichen Gegebenheiten ändern. Dadurch, dass wir dann mehr Platz haben und auch mehr Möglichkeiten, um pädagogisch zu gestallten. Dass wir mehr Differenzierungmöglichkeiten haben, mehr Freiarbeitsflächen, weil das einfach modernerem Unterricht entspricht. Es wäre nicht verkehrt, wenn die technische Ausstattung insgesamt noch besser wird und verlässlicher sein würde. Weil klar ist, dass wir mit modernen Medien arbeiten müssen, weil klar ist, dass wir KI im Unterricht integrieren müssen, weil es einfach schon der Lebensrealität entspricht und wir das nicht irgendwie wegreden können. Es ist da und wir müssen es nutzen und es hat ja auch seinen Nutzen. Wenn wir aber die technischen Möglichkeiten dafür nicht haben, ist es natürlich schwieriger, dass dann auch im Unterricht zu implementieren. Was ich ändern würde, sind die räumlichen Gegebenheiten, die digitale Ausstattung mit dem ganzen Netzwerk und was da dran hängt. Und so viel mehr würde ich aktuell gar nicht verändern wollen. Ich achte es natürlich auch als eine gute Schule, sonst wäre ich auch nicht hier. Ich versuche, meinen Teil gut beizutragen.“

Tipp: Auf Spotify, Apple Podcast, Amazon Musik und YouTube könnt ihr jetzt auch Freistunde #012 | The Big Boss!, die neue Folge unseres Podcasts mit Herrn Schwerin hören.

Von Sophie May

:)

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