Die verborgene Seele – Teil 3

Ich dachte, ich hätte es mir nur eingebildet. Da fiel mir ein, was Annabell gesagt hatte: “Ich habe mich irgendwie beobachtet gefühlt und plötzlich stand eine Gestalt vor meinem Bett.“ Ich schaute mir die Gestalt genau an und dachte nach.

Als die mysteriöse Gestalt in Annabells  Zimmer war, war die Gestalt auf  dem Bild verschwunden. Doch jetzt, nachdem der Brief zerfallen war, tauchte sie wieder auf.

Konnte das Zufall sein? Das musste Annabell sich unbedingt ansehen.

Schnell lief ich nach unten, um Annabell zu holen. Unten angekommen hörte ich, wie mein Vater, meine Mutter und meine Schwester sich unterhielten. Als ich die Küche betrat, fing Papa gleich an mit  mir zu reden.“Wo warst du denn so lange Fin?“, fragte er mich. ,,Ich habe oben etwas gelesen“, log ich. „Annabell, könntest du mal kurz mit nach oben kommen? Es ist dringend!“ „Warum?“, fragte sie mich. „Weil, ich dir was zeigen möchte.“ Annabell und ich gingen hoch in mein Zimmer. Als wir vor meiner Zimmertür ankamen, fragte sie mich: “Und was bitte ist so dringend?“ „Das wirst du schon sehen.“ Ich machte die Tür auf und wir gingen gemeinsam zum Bild. Ich zeigte mit den Fingern auf die Gestalt. „Ist das hier zufälligerweise die Gestalt, die du gesehen hast?“, fragte ich sie. Doch sie starrte nur das Bild an, als hätte sie mich nicht gehört. „Annabell alles in Ordnung mit dir?“ Keine Antwort. „Ja, das, das war die Gestalt.“ Ihre Stimme  zitterte.

Jetzt  bekam  ich es mit der Angst zu tun. Wie kann eine Gestalt aus dem Bild verschwinden und in Annabells  Zimmer auftauchen?   Ich schickte  Annabell nach unten,  damit sie sich von ihrem Schock erholen konnte.

In dieser  Nacht konnte  ich nicht einschlafen. Was in den letzten Tagen passiert war, ließ ich mir noch mal durch den Kopf gehen. Alles erschien mir eher wie ein Albtraum, als dass es Wirklichkeit wäre. Letztendlich schlief ich trotz der verwirrenden Gedanken ein. Die nächsten paar Wochen  verliefen ganz normal, bis auf eine Nacht.

In dieser  Nacht hörte  ich ein ohrenbetäubendes Schreien. Diese Schreie kamen von Annabel. Schnell lief ich in das Zimmer meiner Schwester. Das, was mich da erwartete, war mystisch.

Mitten  in dem Zimmer  stand  eine seltsame Frau mit krausen,  Weißen  Haaren.  Sie starrte mich mit ihren finsteren, dunklen Augen direkt ins Gesicht. Der stechende Blick durchbohrte mich wie ein Pfeil. In dem Zimmer herrschte eine eisige Stille. Annabell saß regungslos  und angewurzelt auf dem  Bett. Sie war wie in Trance. Was sollte ich jetzt tun?  Das Einfachste wäre jetzt  auch zu schreien,  doch ich hätte  keinen Ton rausbekommen.

Ich hörte Mama und Papa die Treppe hochkommen. Die Gestalt  bewegte ihre Lippen, als wollte  sie mir etwas mitteilen. Ich versuchte es von ihren Lippen abzulesen, doch in diesem Moment standen meine Eltern im Türrahmen  und die Gestalt verschwand.

„Warum hast Du so geschrien, Annabell?“, fragte Papa verschlafen. Sie schauten mich fragend an. Annabell saß immer noch wie versteinert auf dem Bett und sagte kein Wort. Ich winkte ab und erklärte: “Annabell hatte nur einen schlimmen Traum. Aber ich habe schon versucht, sie zu beruhigen.“ Meine Eltern waren mit meiner Antwort zufrieden und gingen zurück ins Bett. Wie hätte ich es auch ihnen erklären sollen, mitten in der Nacht. Annabell hatte sich wieder hingelegt und ich konnte in mein Zimmer zurückgehen.

Ich hielt es für besser, einfach die Augen zu schließen und ohne wirre Gedanken    einzuschlafen. Morgen wäre genug Zeit, über das Geschehene nachzudenken.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, fiel mir auf, dass der Schatten auf dem  Bild identisch mit dem Schatten unseres Hauses war. Ich nahm das Bild von der Wand ab und lief schnell nach draußen.

Vor unserem Haus stehend, verglich ich beide Schatten mit dem Bild.

Genau in diesem Moment erreichte der Schatten das ganze  Haus und verdunkelte  es vollständig.

Plötzlich hörte ich Hilferufe. Mama, Papa und Annabell waren in Gefahr, das hörte und

spürte ich. Ich rannte und rannte, so schnell ich konnte. Doch da verstummten die Rufe

und alles wurde ganz still. „NEIN!“, schrie ich verzweifelt. Ich rannte so schnell ich

konnte zum Haus, stolperte und verlor das Gleichgewicht. Alles verschwamm vor meinen Augen und ich hörte überall komische Stimmen. Das war das letzte, was ich

bemerkte und dann wurde alles schwarz um mich herum.


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