#wirbleibenzuhause: Literaturempfehlungen Teil 3

Dieses Mal habe ich drei neuere Werke vorbereitet, die alle im weitesten Sinne den Bereich Politik thematisieren, jedoch auf komplett unterschiedliche Arten.

Größer als das Amt von James Comey

„Größer als das Amt“, James Comey, Droemer

Größer als das Amt von James Comey erschien im Jahr 2018 unter dem Originaltitel „A Higher Loyalty. Truth, Lies and Leadership“. In dem Buch erzählt Comey sowohl von seinem persönlichen Werdegang als auch von seinen Erfahrungen mit Präsident Donald Trump. Da Comey dessen Forderung nach bedingungsloser Loyalität nicht nachkommen will, entlässt Trump ihn im Jahr 2017 aus dem Amt des FBI-Chefs. Laut Comey, um die Ermittlungen des FBI in der Russland-Affäre zu blockieren. In seinem ein Jahr später veröffentlichten Buch erhebt er schwere Vorwürfe gegen Trump: Er agiere „wie ein Mafiaboss“, habe „keine Moral“ und keine „Bindung an die Wahrheit und die Werte unserer Demokratie“. Darüber hinaus schreibt er über seine Gedanken zu Loyalität und Führungsethik. Beide Themen nehmen einen großen Platz innerhalb des Buches ein und finden immer wieder Bezug zu seinen Erlebnissen und seinen Erfahrungen mit Trump.

Die Lektüre ist hochspannend und aktuell wie nie, insbesondere angesichts der bevorstehenden Wahlen in den USA und Trumps Umgang mit dem Coronavirus. Aber auch abseits von Trump hat das Buch viel zu bieten, da es der Leserin/ dem Leser erlaubt, einen Blick hinter die Kulissen der politischen Machenschaften in den USA zu werfen. Besonders prägend war für mich das Bild, das Comey von Loyalität zeichnet. Er ist der Ansicht, ethisch handelnde Führungskräfte sollten ihre Mitarbeiter*innen und Anhänger*innen niemals um Loyalität bitten. Das ist meiner Meinung nach ein Aspekt, der im politischen Diskurs oft vernachlässigt wird, was, wie man an Trumps Beispiel sehen kann, großen Schaden anrichtet.

Das Buch ist lesenswert für alle, die sich für US-amerikanische Politik der Gegenwart interessieren und vor kritischen Betrachtungen nicht zurückschrecken. Gelesen habe ich selbst das Werk mit 16.

Becoming von Michelle Obama

„Becoming – Meine Geschichte“, Michelle Obama, Goldmann

„Becoming – Meine Geschichte“ ist die Autobiographie von Michelle Obama und erschien im Jahr 2018 unter dem Originaltitel „Becoming“. Obama schildert darin ihre Erlebnisse aus frühster Kindheit, über ihr Studium hinweg, zum Kennenlernen ihres Mannes bis hin in die Gegenwart ihres Lebens nach der Zeit als First Lady. Besonders thematisiert werden in ihrem Werk ihr Aufwachsen als schwarzes Mädchen in einer überwiegend weißen Wohngegend, ihr beruflicher Werdegang als Juristin, ihr Engagement für junge Menschen und nicht zuletzt auch den Einfluss, den das Amt ihres Mannes auf ihr Leben hatte und immer noch hat. Dabei beschränkt sie sich jedoch keines Falls nur auch die glorreichsten Momente ihres Lebens, sondern berichtet auch von den Rückschlägen und Problemen, mit denen sie zu kämpfen hatte.

Michelle Obama ist, insbesondere aber nicht nur, für viele Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt ein Vorbild. Ihre Autobiographie beweist eindrucksvoll, dass sie nie „nur“ die First Lady war, sondern mit ihrem Engagement und Einfluss auf ihren Mann selbst viele Dinge zum Guten verändert hat. Ihre Lebensgeschichte ist interessant und macht Mut, nicht zuletzt auch im politischen Sinne. Darüber hinaus gewährt ihr Buch viele Einblicke in den US-amerikanischen Wahlkampf und die Politik in diesem Land. Nicht zuletzt erfährt man natürlich auch einige Details aus dem Leben ihres Mannes, Barack Obama, aber wer sich vornehmlich für ihn interessiert, ist gut damit beraten, seine Biographie zu kaufen.

Das Buch thematisiert so viele unterschiedliche Lebensbereiche, dass es eigentlich für jede und jeden interessant und lesenswert ist. Ich selbst habe Michelle Obamas Autobiographie mit 16 gelesen.

Die Hauptstadt von Robert Menasse

„Die Hauptstadt“, Robert Menasse, Suhrkamp

Die Hauptstadt ist ein Roman von Robert Menasse aus dem Jahr 2017. Seine Geschichte spielt in Brüssel (wo auch sonst?), dem Herzen der Europäischen Union. Diese ist auch gleichzeitig das Thema seines Romans. Er erzählt die Geschichten mehrerer Personen, die sich in Brüssel aufhalten und alle Lösungen für ihre ganz eigenen Probleme suchen: Fenia Xenopoulou ist Beamtin in der Generaldirektion für Kultur der EU-Kommission und steht vor der schwierigen Aufgabe, das Image selbiger zu verbessern. Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, dessen Idee für Unruhe in den EU-Institutionen sorgt. Während dessen sitzt David de Vriend, der als Kind von einem Deportationszug der Nationalsozialisten gesprungen ist, in einem Altersheim und dämmert dem Tod entgegen. Doch plötzlich soll er bezeugen, was er eigentlich vergessen wollte. Der Polizeikommissar Brunfaut steht ebenfalls vor einer schwierigen Aufgabe: Er soll aus politischen Gründen einen Mordfall, dessen Akten vernichtet wurden, auf sich beruhen lassen. Und Alois Erhart, ein Emeritus für Volkswirtschaft, ist Mitglied eines unbefriedigenden Think-Tanks der Kommission und soll vor den Beauftragten aller EU-Länder Worte sprechen, die seine letzten sein könnten.

Es sind völlig unterschiedliche Geschichten, deren Handlungsstränge sich immer wieder kreuzen. Dies führt aber auch dazu, dass man den Roman sehr aufmerksam lesen muss. Überzeugend zeichnet Menasse sein Bild der EU-Kommission, ihren Beamten und ihrer Bürokratie, aber auch ihrem Umgang mit dem Holocaust. Anmerken muss man jedoch auch, dass Menasse zu den Verfechtern eines europäischen Bundesstaates gehört und in seinem Roman auch teils radikale Thesen aufstellt, mit denen vielleicht nicht jeder einverstanden ist. Unterhaltsam und glaubwürdig ist sein Werk aber allemal.

Mir hat Die Hauptstadt einen völlig neuen Blickwinkel auf die EU ermöglicht, auch, wenn man vielleicht nicht alles darin allzu ernst nehmen sollte. Gelesen habe ich Menasses Roman mit 16.

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