#wirbleibenzuhause: Literaturempfehlungen Teil 2

Heute präsentiere ich wieder drei Literaturempfehlungen, die euch hoffentlich helfen werden, die Langeweile zu vertreiben. Es handelt sich zwar bei allen drei Empfehlungen um ältere Werke, aber das macht sie nicht weniger interessant oder lesenswert. Auch die Sprache sollte keine große Hürde darstellen. Für diejenigen, die mit Klassikern so gar nichts anfangen können, gibt es beim nächsten Mal dann einige neuere Bücher, versprochen!

Narziß und Goldmund von Hermann Hesse

„Narziß und Goldmund“, Hermann Hesse, Suhrkamp

Narziß und Goldmund ist ein Roman von Herman Hesse, der im Jahr 1930 veröffentlicht wurde, und erzählt die Geschichte von der Begegnung des Novizen Narziß mit dem Klosterschüler Goldmund in einem mittelalterlichen Kloster. Narziß, der sich ganz dem Kloster verschrieben hat, seine Zeit mit dem Studium des Lateinischen verbringt und asketisch lebt, wird heimlich vom neu dazugestoßenen Goldmund bewundert. Dieser ist genau das Gegenteil seines Vorbilds: Ein Träumer und nicht für das Klosterleben gemacht. Das erkennt auch Narziß und als Goldmund sich entschließt, ebenso wie dieser Mönch zu werden, gelingt es ihm, Goldmund davon zu überzeugen, das Kloster zu verlassen. Schweren Herzens schickt ihn Narziß, der mittlerweile ein guter Freund Goldmunds geworden ist, auf eine rastlose Reise durch das von der Pest geprägte Mittelalter. Auf dieser findet Goldmund nicht nur sich selbst, sondern erkennt auch seine wahre Berufung zum Künstler. Doch eine Liebschaft mit der falschen Frau bringt ihn in große Gefahr…

Bei diesem Werk muss man vor allem die sprachliche Raffinesse Hesses hervorheben: Wie kaum einem Zweiten gelingt es ihm, ein ganz neues, für mich prägendes Bild des Mittelalters zu zeichnen. Auch die tiefe Freundschaft zwischen Narziß und Goldmund und deren grundsätzliche Verschiedenheit gestaltet er sprachlich höchst eindrucksvoll. Abgesehen von der Sprache kreiert auch der Inhalt des Romans eine ganz besondere Atmosphäre, in der man sich wahrlich verlieren kann. Das Buch ist weder lustig, noch besonders traurig, es beeindruckt dagegen mit seinen prägnanten Schilderungen der mittelalterlichen Welt und Goldmunds Gefühlen auf der Suche nach sich selbst. Besonders der Schluss beinhaltet eine unerwartete, aber zufriedenstellende Wendung. Während des Lesens mag man nicht immer verstehen, wo das Buch den Leser/die Leserin hinführen möchte, aber am Ende fügen sich alle Teile wie bei einem Mosaik zusammen. Beeindruckend und irgendwie auch ganz anders, daher: eine klare Leseempfehlung!

Mit Erstaunen stellte ich darüber hinaus fest, dass auf Grundlage des Romans vor Kurzem ein Kinofilm produziert wurde. Ich persönlich habe ihn nicht gesehen, aber könnte mir vorstellen, dass die filmische Umsetzung sehr interessant ist. Gelesen habe ich Narziß und Goldmund mit 16 Jahren.

Der Fänger im Roggen von J.D. Salinger

„Der Fänger im Roggen“, J.D. Salinger, Rowohlt

Der Fänger im Roggen von J.D. Salinger erschien im Jahr 1951 unter dem Originaltitel „The Catcher in the Rye“. Darin erzählt der 16-Jährige Holden Caulfield von drei Tagen, die er, nach dem er der Schule verwiesen wurde, in New York verbringt, weil er sich vor der Reaktion seiner Eltern zuhause fürchtet. Ziellos irrt er dabei durch die Großstadt und erlebt eine deprimierende Begegnung nach der anderen. Immer wieder versucht er, ein Mädchen anzurufen, dass er aus seiner Schulzeit kennt und das ihm gefällt, allerdings vergebens. Schließlich trifft er sich mit einer ehemaligen Mitschülerin, die er eigentlich nicht einmal mag. Doch auch diese Begegnung endet in Unfrieden und Holden muss bald feststellen, dass er fast sein gesamtes Geld bereits ausgegeben hat…

Der Fänger im Roggen gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Zum einen, weil der Inhalt zwar eigentlich deprimierend, aber auf der anderen Seite auch unglaublich komisch geschrieben ist. Zwar scheiden sich auch hier die Geister, denn manche Leser*innen halten das Buch für sprachlich unsauber und anstrengend zu lesen. Ich hingegen denke, dass Salinger seiner Zeit sowohl sprachlich als auch inhaltlich weit voraus war und einen sehr modernen und lustigen Roman geschrieben hat, auch, wenn der Humor nicht für jeden verständlich sein mag. Zum anderen sind Holdens moralische Ansprüche und seine Gesellschaftskritik sehr interessant und regen zum Nachdenken an. Auch die Entstehung des Titels, die im Verlauf des Buches ebenfalls erläutert wird, halte ich für absolut genial. Hinzu kommt, dass Der Fänger im Roggen zu den berühmtesten Coming-of-Age Romanen dieser Welt zählt, sodass man die Kenntnis dieses Buches durchaus zur Allgemeinbildung zählen kann. Die Lektüre lohnt sich also in vielfacher Hinsicht.

Der Fänger im Roggen ist leider der einzige veröffentlichte Roman Salingers. Gelesen habe ich sein Meisterwerk im Alter von dreizehn (und danach noch viele weitere Male).

Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald

„Der große Gatsby“, F. Scott Fitzgerald, Diogenes

Der große Gatsby, geschrieben von F. Scott Fitzgerald, wurde 1925 unter dem Originaltitel „The Great Gatsby“ veröffentlicht. Er erzählt die Geschichte des neureichen Jay Gatsby, der unter rätselhaften Umständen zu Geld gekommen ist, und nun in seinem Anwesen auf Long Island sagenhafte Feste gibt. Während seine Heerscharen an Gästen rätseln, wer Gatsby sein mag und über seine Person die wildesten Gerüchte kursieren, versucht Gatsby nur, seine verlorene Liebe, die er während des Ersten Weltkriegs zurücklassen musste, zurückzugewinnen. Doch die ist bereits verheiratet. Zu spät merkt Gatsby, dass er sich einer Illusion hingegeben hat und wird so zum Sinnbild des Scheitern des amerikanischen Traumes.

Gatsbys Geschichte ist für viele Menschen auf der Welt der Inbegriff von Aufstieg und Fall und ein wahrer Klassiker. Meisterhaft zeichnet Fitzgerald ein Bild der Roaring Twenties, der goldenen Zwanziger, und thematisiert Dekadenz, Illusion und Scheitern. Für mich ist besonders die Figur Gatsby faszinierend und sprachlich detailliert gezeichnet. Interessant wird der Roman aber auch dadurch, dass die Geschichte nicht von Gatsby selbst oder einem unbekannten Erzähler geschildert wird, sondern von Nick Carraway, Gatsbys Nachbarn, der zwar existiert, aber auf den Verlauf der Haupthandlung kaum Einfluss hat und daher eher unbeteiligt ist. Trotzdem besteht zwischen den beiden eine Bindung, die besonders am Ende des Romans deutlich wird.

Der Roman wurde unteranderem im Jahr 2013 verfilmt. Obwohl ich bei Buchverfilmungen sonst sehr skeptisch bin, ist dieser Film wirklich empfehlenswert, da er dem Gelesen noch einmal eine neue Dimension verleiht. Auch die Lektüre auf Englisch empfiehlt sich. Gelesen habe ich den Roman mit 15.

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